Statement der Verfassten Studierendenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zur Exzellenzstrategie der Universität
Am 02. und 03. Juni findet an der Universität Freiburg die Begehung im Rahmen der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder um den Titel der Exzellenzuniversität statt. Dies nehmen wir als Anlass, uns dazu zu positionieren. Wir möchten zuerst eine Grundsatzkritik an der Exzellenzstrategie äußern, bevor wir genauer auf die Universität Freiburg eingehen.
Grundkritik an der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder
Finanzierung
Bildung hat ein Geldproblem. Staatliche Hochschulen sind chronisch unterfinanziert. Es fallen Professuren, Dozent*innen und wissenschaftliche Mitarbeiter*innen weg, Lehr- und Forschungsmaterialien sind veraltet oder kaputt, Gebäude sind renovierungsbedürftig und die Digitalisierung noch immer nicht exzellent.
Die Exzellenzinitiative löst das Grundproblem der Finanzierung nicht, sondern fügt eine weitere Dimension hinzu: Sie erzeugt einen neuen Wettbewerbsdruck, durch den Universitäten um Prestige und Fördergelder konkurrieren, anstatt an unabhängigem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn und den Bedürfnissen der Gesellschaft zu arbeiten. Wir fordern einen höheren Stellenwert für Bildung und eine flächendeckende Ausfinanzierung aller Hochschulen. Wir alle haben das Recht auf Bildung!
Verwaltung
Der Verwaltungsaufwand, welcher in ganz Deutschland im Rahmen der Exzellenzstrategie erbracht wurde, ist massiv. Die Vorbereitung und Umsetzung der Exzellenzstrategie bindet viel Arbeitszeit, die den Hochschulen für andere Arbeiten fehlen. Wir möchten den Fokus auf Kooperation statt Wettbewerb lenken.
Exzellenzstrategie der Universität Freiburg
Zunächst möchten wir uns bei den Mitarbeiter*innen und Forscher*innen bedanken, die in den letzten Jahren viel Zeit, Energie und Engagement in ihre Projekte gesteckt haben. Bei der Universität Freiburg sehen wir jedoch in vielen Punkten Verbesserungsbedarf, dessen Dringlichkeit eigentlich vor der Exzellenzstrategie stehen sollte. Wir möchten hier auf Governance, Kommunikation, die Zusammenarbeit mit der Verfassten Studierendenschaft und Diversität eingehen.
Governance
Neben einem schwergängigen Verwaltungsapparat, der unsere Arbeit als Verfasste Studierendenschaft immer wieder ausbremst, indem beispielsweise Organisationssatzungsänderungen jahrelang nicht bearbeitet werden, zeigt sich auch immer wieder eine mangelhafte Kommunikation seitens der Universitätsleitung.
Kommunikation
Die jüngsten Verwicklungen der Universität in verschiedene Gerichtsprozesse sorgten für viele Schlagzeilen. Hierbei sorgte die verspätete und teils undurchsichtige Kommunikation nach außen und innen für Unverständnis bei Student*innen. Insbesondere der immer noch stattfindende Diskurs zur Verantwortungsfrage des Rektorats zeigt, dass der Fokus verloren geht. Es muss sich weiter um die Betroffenen gekümmert werden, und Strukturen, die zu Machtmissbrauch führen können, müssen erkannt und abgebaut werden.
Zusammenarbeit mit der Verfassten Studierendenschaft
Wir bedauern, dass trotz mehrfachen Angebots, sich an den Prozessen rund um die Exzellenzstrategie zu beteiligen, die Universitätsleitung keinen Sinn darin sah, die größte Statusgruppe an der Universität aktiv einzubinden. Die Verfasste Studierendenschaft ist die demokratisch gewählte Vertretung der rund 22.000 Studierenden an der Universität Freiburg. Das Ausschließen eines so großen Teils der Studierenden ist bedauerlich und zeigt, wo der Fokus der Universitätsleitung liegt.
Die Räume für Studierende, egal ob Räume für Teile der Verfassten Studierendenschaft oder selbstverwaltete Räume in der Hand der Studierenden, wie das FöCa, werden immer weiter gestrichen, und leider nicht im Sinne einer Renovierung, denn diese bleibt beim Haus der Verfassten Studierendenschaft (Belfortstraße 24) seit mehr als 10 Jahren aus. Zudem entspricht der Zustand der uns zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten nicht unserem Bedarf und erschwert es uns, unsere Arbeit zu erfüllen. Auch für Fachschaften ist das Thema Räumlichkeiten dringlich – Räume sind Mangelware.
Diversität
Ebenfalls frustrierend ist der Umstand, dass sich trotz verschiedener Hinweise auf die mangelnde Barrierefreiheit an der Universität Freiburg wenig verändert hat. Während viele Gebäude nicht barrierefrei zu begehen sind oder der Zutritt mit großen Umwegen verbunden ist, fehlt eine vollständige und aktuelle Übersicht aller Räume und ihrer Barrierefreiheit.
Auch die von der Studierendenschaft seit Jahren geforderten genderneutralen Toiletten sucht man an der Universität Freiburg vergeblich. Wir sehen die Universität in der Verantwortung, die Bedürfnisse dieser Menschen aktiv voranzubringen und nicht auf das ehrenamtliche Engagement der Vollzeit-Studierenden abzuwälzen, wie es in der Vergangenheit bereits getan wurde. Es ist inakzeptabel, dass eine Forderung, welche seit mehr als 10 Jahren an das Rektorat herangetragen wird, auf so wenig Eigeninitiative seitens der Universität stößt. Wie müssen sich wohl Studierende und Dozent*innen der Gender Studies fühlen, wenn ihr Studien- und Forschungsfeld im Alltag so wenig Beachtung bekommt?
Ausgegebenen Anlass möchten wir auf den Pride Month verweisen. Die Pride-Flagge an einem der prominentesten Gebäude der Uni wurde nur auf studentische Initiative angebracht.
Auf internationale Studierende wird durch Studiengebühren von 1.500 € pro Semester eine hohe finanzielle Last gelegt. Die Verfasste Studierendenschaft fordert schon lange und wiederholt die Abschaffung dieser Gebühren von der Universität.
Des Weiteren sind verschiedene relevante Stellen an der Universität unzureichend oder gar nicht besetzt. Darunter fällt zum Beispiel die Stelle der Inklusionsbeauftragten, welche seit zwei Jahren unbesetzt ist.
Wie kann eine Universität, die Menschen vernachlässigt und exkludiert, exzellent sein?
Durch unsere Ausführungen ist hoffentlich klar geworden: Student*innen sind nicht die Priorität der Universität. Aus diesen und weiteren Gründen sprechen wir uns gegen die Exzellenzstrategie der Universität Freiburg aus und fordern zunächst eine Verbesserung der Umstände für Student*innen, bevor darüber nachgedacht werden kann, ob die Universität Freiburg eine Exzellenzförderung erhalten sollte.
Wir haben in diesem Statement viel von der Universität gesprochen und beziehen uns dabei konkret auf das Rektorat. Wir möchten das Schlusswort nutzen, uns bei den vielen Mitarbeiter*innen der Universität zu bedanken, welche unseren Frust teilen und Verständnis für unsere Anliegen haben.
Verfasste Studierendenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg