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Rede bei der Eröffnung des Akademischen Jahres 2014/2015

Rede der Studierendenvertretung bei der "Feierlichen Eröffnung des Akademischen Jahres" am 22.10.14 im Audimax.

 

Liebe Studierende, sehr geehrte Damen und Herren,

die Studierendenvertretung begrüßt Sie alle herzlich zur Eröffnung des neuen akademischen Jahres. Ich freue mich persönlich sehr, diese Rede stellvertretend für die Studierenden halten zu dürfen.

Unsere Festrednerin, Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, hat ihre Rede folgenderweise betitelt: "Freiräume schaffen und schützen". Schön, dass Freiräume ein so brisantes Thema geworden sind. Ich bin mir sicher, dass wir auf die Rede von Frau Bauer gespannt sein dürfen.
Gerne nehme ich dieses Stichwort auf und nutze die Gelegenheit, auch ein paar Worte über "Freiräume" zu verlieren.

Es stellt sich die Frage, warum Freiräume überhaupt notwendig sind. Nach Artikel 5 des Grundgesetzes sollte eine Universität ein Freiraum sein. Ein Raum um der "Freiheit der Wissenschaft, Forschung und Lehre" Platz zu geben. Wäre die Universität ein Freiraum, dann müsste man über die solchen keine Diskussion führen.
Doch wurde diese Freiheit nicht längst zerstört durch Kennzahlen, Haushaltszwänge, Drittmittelquoten oder Solidarpakte? Woran kann man den "Freiraum Universität" erkennbar machen? Und was zumindest für uns Studierende sehr viel offensichtlicher ist: Wie gestaltet sich dieser im Studium?

Hier fallen die nicht vorhandenen Freiräume auf. Beispielsweise, wenn es darum geht, sich außerhalb des eigenen Studienfaches weiterzubilden, oder einen den eigenen Interessen entsprechenden Verlauf des Studiums zu erstellen. Es ist schade, dass an unserer Universität die Eigeninitiative von Studierenden so wenig erleichtert oder gar unterstützt wird und dass das Hervorbringen von freidenkenden und selbstbestimmten Menschen nicht prioritär behandelt wird. Man sollte sich die Frage stellen, was das Ziel einer Universität bei der Ausbildung von Akademikern und Akademikerinnen darstellt.
Regelstudienzeit, Studienverlaufspläne, Prüfungsordnungen und ECTS-Punkte pressen den Alltag der Studierenden in einen engen Rahmen, aus dem sich nur wenige trauen, einen Schritt hinaus zu gehen und die Welt von einer anderen Seite zu betrachten.

Wie sollen verantwortungsbewusste Absolventen und Absolventinnen diese Universität verlassen, wenn sie in ein verschultes System gezwängt werden, bei dem ihre eigenen Interessen kaum eine Rolle spielen und in dem sie kaum bis gar nicht ermutigt werden, eigene Wege zu gehen und über den Tellerrand hinauszuschauen.
Hier hat unsere Universität reagiert und mit dem Konzept "Windows for Higher Education" versucht, Freiräume zu schaffen. Der IndiTrack aber ist als Freiraum schon wieder so stark reglementiert. Beispielsweise durch die Vorgaben des Zeitfensters oder durch die mangelnden Kapazitäten der Fächer. Der begrüßenswerte Ansatz, über die Grenzen des eigenen Studiengangs hinauszugehen, kommt letztlich nur wenigen Studierenden zu Gute, die den scheinbaren Gesetzen eines schnellen Studiums keinen Glauben schenken.

Auch die geplante Lehramtsreform stellt einen weiteren Einschnitt studentischer Freiräume dar. Zwar werden hier auch positiv zu bewertende Ziele verfolgt, wie die Sensibilisierung zukünftiger Lehrerinnen und Lehrer für Themen wie Inklusion oder Deutsch als Fremdsprache. Gleichzeitig presst die Reform einen weiteren Studiengang in das Bachelor-Master-Korsett, in das es von seiner Gestalt her so gar nicht passen will und auch gar nicht passen kann.
Entscheidet man sich heute für ein Studium, so entscheidet man sich für ein vorgefertigtes Paket. Ausbrechen ist sicherlich möglich und es mag sein, dass soziales Engagement, zum Beispiel in der Studierendenvertretung, in einem Lebenslauf erwünscht und im Arbeitsleben später von Nutzen ist. Doch wie soll das möglich sein? Nicht viele sehen es ein, ihre wenige Freizeit nach den durchschnittlich 37 1/2 Wochenstunden, zu denen, neben anderen Verpflichtungen, häufig noch ein Job zur Studiumsfinanzierung kommt, für ein intransparentes Konstrukt zu opfern.

Wer die Regelstudienzeit überschreitet, ist mutig. Wer sich mit Prüfungsämtern streitet, ist selbst für viele Dozierende ein Held oder eine Heldin. Wer sich hochschulpolitisch engagiert, hat erstens zu viel Zeit und zweitens ein komisches Hobby.

Statt Studierenden, denen man auf Augenhöhe begegnet und denen ein individuelles Studium ermöglicht wird, haben wir Studierende, die exakt nach dem Studienverlaufsplan studieren und deren körperliche Anwesenheit durch Anwesenheitszwang kontrolliert wird. Studierende, die diese Universität, nach sechs Semestern wieder verlassen und keine Spuren hinterlassen. Keine negativen. Aber auch keine positiven. Es ist Zeit, dass man neue Ideen zulässt, alte Strukturen aufbricht und neue Wege wagt.

Deshalb müssen Freiräume offen gelassen werden, im und für das Studium. Wer Studierenden eigenes Denkvermögen zutraut, wird sehen, dass umso mehr Studierende eben dieses entwickeln und eine andere Universität möglich ist.

Doch es gibt auch Bereiche, wo „Freiräume“ aus gutem Grund eingeschränkt werden müssen. In diesem Bezug möchte ich erwähnen, dass wir als Studierendenvertretung begrüßen, dass der Senat auf unsere jahrzehntelange Forderung für eine Zivilklausel eingegangen ist. Ich sage ausdrücklich "eingegangen", und nicht "erfüllt"! In der neuen Grundordnung verpflichtet sich die Universität dazu, dass Lehre und Forschung auf friedliche Ziele ausgerichtet sein sollen. Die einzige Kontrollfunktion, welche die Uni dafür nutzt, ist ein jährlicher Bericht dazu. Sprich, de facto handelt es sich um eine reine Berichtspflicht. Eine ernstzunehmende und wirksame Zivilklausel sieht anders aus!

Wir hoffen, dass dieses Lippenbekenntnis ersetzt wird, durch eine effektive Verpflichtung der Universität. Diese muss praktische Auswirkungen haben, welche verhindern, dass an unserer Universität militärische Forschung und Rüstungsforschung betrieben wird. Denn deren Ziel, dass Töten von Menschen, steht im Widerspruch zu allem wofür wir stehen!
Leider scheinen die Forderungen von Studierenden an anderer Stelle gar nicht gehört zu werden.
Anstelle dessen, dass man für mehr Verständnis der Studierenden sorgt und die Strukturen transparent und flexibel gestaltet, werden unter anderem durch den Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz, Herr Hippler, die vor nicht allzu langer Zeit erst abgeschafften Studiengebühren wieder auf den Tisch gebracht. Glücklicherweise haben Politiker*innen aus CSU, CDU und SPD die letzten Jahre besser aufgepasst, die Proteste noch in Erinnerung und sich in ungewohnter Geschlossenheit gegen die Wiedereinführung von Studiengebühren, ob nachgelagerter oder studienbegleitender, ausgesprochen.

Studiengebühren schrecken viele Menschen, vor allem aber Menschen aus bildungsfernen und finanziell benachteiligten Schichten ab. Zudem schränken sie die Freiräume von Studierenden nur überflüssig ein.

Doch auch ohne Studiengebühren müssen Studierende in Freiburg um ihre Freiräume kämpfen.

Freiräume stellen schließlich auch greifbare Bereiche dar:
Ein Freiraum, so wie wir ihn verstehen, ist ein Raum, der vor allem frei ist für politische, soziale und kulturelle Arbeit, dadurch soll der Freiraum Menschen dabei unterstützen, sich zu engagierten, freidenkenden, verantwortungsvollen und selbstbestimmten Menschen zu entwickeln. Ein Freiraum hat den Anspruch, ein Schutzraum zu werden, ohne Rassismus, ohne Sexismus, ohne Diskriminierung; er steht gegen Ausgrenzung jeglicher Art. Außerdem soll er für alle zugänglich sein.
An solchen Freiräumen mangelt es in Freiburg jedoch leider sehr. Zum Beispiel das Kulturcafé der Pädagogischen Hochschule. Das KuCa stellt einen solchen, schützenswerten Freiraum dar. Doch leider sehen das nicht alle so. Die Stadt will die Pavillions, die seit den 1980er Jahren durch das KuCa belebt werden, abreißen. Bis jetzt wurde noch keine adäquaten Ersatzräume angeboten. Durch den Wegfall des KuCas, wird die Stadt Freiburg einen Raum verlieren, der für studentisches Selbst- und Mitbestimmungsrecht steht, sowie dem Meinungsaustausch Platz bietet. Das KuCa bietet außerdem ein großes kulturelles Programm, wie eine OpenStage und andere Abendveranstaltungen, aber auch die Räumlichkeiten für die Studierendenvertretung der PH. Es wird Zeit, dass die Gesellschaft solche Räume besser achtet und sie geschützt werden. Deshalb setzt sich auch die Studierendenvertretung der Uni Freiburg dafür ein , dass das KuCa bleibt.

Um auch an der Uni einen vergleichbaren Freiraum zu schaffen, möchten wir als Studierendenschaft das Café Senkrecht, heute mit dem kommerziellen Titel FAZ-Lounge und dem Monopol auf die gleichnamige Zeitung, zu einem selbstverwalteten Café umstrukturieren und fordern das Studierendenwerk auf, diesen Raum den Studierenden zu überlassen.

Aber ebenso fehlen für das Studium freie Räume:

Laut dem Brandschutzgesetz ist alles, was irgendwie brennbar ist, Branntlast. Es dürfen beispielsweise nur eine bestimmte Anzahl an Personen in einem öffentlichen Gebäude sein. Es müssen genügend Fluchtwege bereit stehen, diese dürfen nicht mit potentiell entflammbarem Material (wie Stühle oder Tische) verstellt sein.

Aufgrund dieses Gesetzes wurden beispielsweise im Studierendenhaus der gesamte dritte Stock, so wie das Kellergeschoss geschlossen. Aber auch in den Gängen oder Treppenhäusern der Universität dürfen nur noch wenige oder gar keine Sitzplätze mehr zur Verfügung stehen. Wo aber bitte sollen Studierende sich zu Gruppenarbeiten oder Referatsvorbereitungen sonst treffen?
Für die Zukunft wünschen wir uns, dass die Universität ein Freiraum wird, nach der eben genannten Definition. Ein Raum, in welchem Diskriminierung jeder Art unerwünscht ist und in dem freidenkende, selbstbestimmte und verantwortungsvolle Menschen ihren Platz finden.

Zuletzt bleibt noch zu sagen, dass wir eine große Hoffnung haben, dass das neu besetzte Rektorat transparent und mit der Studierendenvertretung gemeinsam handelt, dass es Anregungen und Meinungen der Studierenden stärker wahrnimmt und vielleicht auch umsetzt.

Hierbei möchte ich noch erwähnen, dass wir uns freuen, dass das Rektorat neuerdings gendertechnisch verhältnismäßig gut besetzt ist und hoffen, dass dies Vorbildfunktion für alle anderen Bereiche in der Uni haben wird. Auch befinden wir die Einrichtung des Prorektorats für Gender und Diversity als eine gute Innovation. Wir sind davon überzeugt, dass sich für die Vielfalt an der Universität stärker eingesetzt werden muss. Unsere Referent*innen stehen schon in Kontakt mit Frau Riescher, um entsprechende Projekte zu initiieren.

Und wir hoffen, dass wir uns alle irgendwann so frei fühlen können, wie Elly Knapp, eine der ersten weiblichen Studierenden der Universität Freiburg, deren Zitat am Rektorat hängt. Ich denke Flügel würden uns allen gut stehen.
 

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